Die Rheinpfalz 28. Juli 2010

 

Jeder Vortrag ein Genuss

Christoph Prégardien und Barbara Baun mit einem begeisternden Eröffnungskonzert des dritten Kirchheimer Liedersommers
Von Roland Happersberger

Was ein stattliches, die protestantische Kirchheimer Kirche füllendes Publikum am Sonntag als Eröffnungskonzert des dritten Kirchheimer Liedersommers erlebte, war eine Sternstunde des hiesigen Kulturlebens. Christoph Prégardien, der international berühmte lyrische Tenor aus Limburg, und die in Kirchheim ansässige Pianistin Barbara Baun musizierten romantische Lieder von Schubert und Schumann in einer ausdrucksreichen Konzentration, die jeden Vortrag zum Genuss werden ließ.

Barbara Baun, die zusammen mit dem Kirchheimer Bassbariton Dominik Wörner den Liedersommer begründet hat und auch Vorsitzende des Trägervereins ist, sagte nach dem Konzert, sie habe sich von Anfang an diesen Meisterkurs mit Prégardien gewünscht. Beide kennen sich aus gemeinsamen Studientagen. Jetzt, beim dritten Mal, ließ dieser Wunsch sich verwirklichen.

Der Auftritt des berühmten Liedinterpreten in der kleinen Dorfkirche wurde in der Region als mindestens kleine Sensation erachtet, es war auch keineswegs abzusehen, wie sich – bei freiem Eintritt und Kollekte – der Publikumszustrom entwickeln würde, aber alles passte wunderbar. Bis kurz vor Konzertbeginn stellten eifrige Helfer zusätzliche Stühle, so dass auch die Letzten, die kamen, Platz fanden. Das Raunen im Raum drückte derweil in besonderem Maß gespannte Erwartung aus – sie wurde nicht enttäuscht.

Beide Interpreten waren von Anfang an, vom ersten Ton des Schubertschen „Alpenjägers“, voll da. Beide hochkonzentriert und in bestem Sinne angespannt. So nämlich, dass sie jedem Detail, jedem Moment höchste Aufmerksamkeit schenkten, dass sie die Lieder nicht in ihre einzelnen Strophen abteilten, sondern einen durchgehenden Bogen spannten, welcher die Aufmerksamkeit des mucksmäuschenstill lauschenden Auditoriums jedes Mal in seinen Bann zog. Allein schon deswegen waren die humoristisch formulierten Eingangsmahnungen Dominik Wörners, ja nicht raschelnd im Programm zu blättern, bevor die Nachspiele verklungen waren, keineswegs überflüssig. Denn wie Sänger und vor allem Pianistin die Spannung bis in die allerletzten, oft ganz vereinzelten und leisen Töne zu halten wussten, wie namentlich Barbara Baun sie dann auflöste, sie ausklingen ließ, das war ungemein kostbar.

Der Sänger selbst: Mancher Künstler hat gewisse interpretatorische Methoden, die seinen Vortrag interessant und den Interpreten kenntlich machen. Prégardien hingegen scheint nichts an die Lieder heranzutragen, er scheint vielmehr in das, was er singt, hineinzuhorchen, ja in die Lieder selbst hineinzuhorchen – und das, was er da hört, ganz selbstverständlich in klingende Musik umzusetzen. Auch hier scheint große Kunst ganz einfach, ganz selbstverständlich zu sein.

Prégardien macht nicht viel. Selten erhebt er die noch immer wohllautende Stimme zu mächtigem Forte. Wenn er´s tut, sitzt´s. Kaum merklich ist oft die Steigerung von Vers zu Vers, von Strophe zu Strophe. Sie kommt dem Hörer nur zu Bewusstsein, wenn er eigens darauf achtet. Alles erscheint selbstverständlich, aus sich selbst plausibel, und die reiche Nuancierung im Kleinen belebt den Vortrag so, dass keine Minute langweilig wird, dass sogar manche Extravaganzen der Texte, die nicht immer auf der Höhe der dichterischen Kunst stehen, gar nicht stören. Selbst das wirkt, wenn Christoph Prégardien singt und Barbara Baun kommentierende Bedeutungsnuancen vom Klavier hinzufügt, echt.

Beide Interpreten harmonieren ohne Verständigungsschwierigkeiten, kurz: eine glänzende, ernste Vorstellung. Denn die Themen der Lieder sind ernst: Abschied, Liebesschmerz, bestenfalls sich sieghaft gebende Sehnsucht, die aber doch Enttäuschung fürchtet, letztlich: die Einsamkeit des romantischen Menschen, der sich angesichts der gesellschaftlichen Verwerfungen vom 18. ins 19. Jahrhundert – Revolution und Industrialisierung – aus der Welt gefallen wähnt.

Zu hören waren im ersten Teil von Franz Schubert fünf Lieder nach Gedichten von Johann Mayrhofer und sechs Gedichte nach Ernst Schulze, im zweiten Teil Robert Schumanns Zwölf Lieder op. 35 nach Gedichten von Justinus Kerner. Die Textdichter sind 1786, 1787 und 1789 geboren.

Besonders Eindrucksvoll: „Abschied“ (Schubert/Mayrhofer). Ganz passend wird bei diesem wehmütigen Stück das Zeitmaß gedehnt; alles scheint gespannt bis zum Zerreißen, beide Interpreten kosten ganz langsam Ton um Ton aus und binden alles zu einer Einheit zusammen.

„Über Wildemann“ (Schubert/Schulze): Herrlich malt das Klavier Sturm; Prégardien zeigt, wie viel Effekt ein einzelner scharfer Akzent, richtig gesetzt, machen kann. „Im Frühling“ (Schubert/Schulze): Oft gehört und hier ganz frisch: das Gegenüber von Klaviermelodie und gesungenem Lied. Barbara Baun spielt gelassen, rhythmisch federnd, klanglich erlesen. Wunderschön bilden beide das tändelnde Schlendern zweier Spaziergänger ab. Auch hier meldet sich harsch das Leid. Ungemein kostbar und bedeutungsreich dann die Reprise: wehmutsvolle, aber gefasste und darin auch immer noch freudige Erinnerung.

Die Schumannlieder gewannen eher noch an Intensität – und vollends entzückten die Zugaben aus Schumanns Eichendorf-Zyklus. Der Tenor genoss es, ein unbeschwertes feines Walzerliedchen singen zu dürfen (?Die Stille“), ganz aus einem Guss, rein, klar, völlig uneitel und ganz auf den zu deutenden Text konzentriert war die „Mondnacht“, hochdramatisch schließlich das todbringende „Waldgespräch“.

 

Die Rheinpfalz 31.7.2010

 

„Ein bisschen mehr Freiheit“

Kirchheimer Liedersommer: Professor Christoph Prégardien erweist sich im Meisterkurs als ungemein kompetenter und fördernder Lehrmeister
Von Roland Happersberger

Ein großer Gewinn für die teilnehmenden jungen Musiker und dazu ein Vergnügen für die gar nicht wenigen zuhörenden Musikfreunde ist der öffentliche Meisterkurs in Liedgestaltung mit Professor Christoph Prégardien, der heute zum letzten Mal in Kirchheims protestantischer Kirche zu erleben ist – anders als angekündigt aber erst von 14 bis 18 Uhr.

Leise, ganz leise muss man sich hineinschleichen, denn die gespannte Aufmerksamkeit, die im Kirchenschiff herrscht, ist schon im Windfang zu spüren. Regungslos verharren die Zuhörer, suchen jedes Geräusch zu vermeiden, um die jungen Künstler nicht zu stören und kein Wort Prégardiens zu verpassen.

Es geht ums Kunstlied der Romantik, eben ist Robert Schumanns „Auf einer Burg“ aus dem Eichendorff-Zyklus verklungen, gesungen von Julia Kirchner, am Klavier begleitet von der Japanerin Nao Aiba. Prégardien hat einiges anzumerken. Er spricht ganz ruhig, konzentriert und ungemein verständlich. Auch der hinzukommende Beobachter begreift sofort, worauf er hinaus will. Es geht um Artikulation, um die Minimierung der Gesichtsbewegung auf das Nötigste, es geht auch darum, den Gesangsvortrag zu einem die Spannung haltenden Zusammenhang zusammenzubinden. Julia Kirchner singt noch einmal, und es ist erstaunlich, wie viel von dem eben Gesagten angekommen ist, wie sehr sich der Vortrag verlebendigt hat. Ein Schritt auf dem Weg: „Klanglich ist das jetzt viel besser so, auch die Haltung stimmt. Das Phrasieren in langen Bögen könnte aber noch mehr sein.“

Das nächste Lied, von Edvard Grieg. Julia Kirchner singt klanglich hervorragend, aber noch fehlt etwas. „Sehr schön. Ich hab das auch gesungen, aber ich hab es anders angelegt.“ Pregardién trachtet, Kirchners Interpretationsansatz zu verbessern, schlägt dann aber doch vor: „Für mich hört sich das gar nicht nordisch an, mehr nach Tschaikowsky. Ich hör“ da mehr Expressivität, mehr Verzweiflung. Am Anfang mehr Auflehnung gegen das Schicksal, und am Schluss mehr Resignation.“ Und schon hat das Lied aus dem Mund derselben Interpretin wesentlich mehr Ausdruck, mehr Dramatik als eben, ist auf plausible Weise nuancenreicher und damit lebensvoller.

Eine dreiviertel Stunde ist vorbei, der Nächste ist dran. Ein Tenor, Philip Farmand, begleitet von Barbara Baun selbst, der Initiatorin und treibenden Kraft des Liedersommers. Farmand singt „Mit Myrten und Rosen“ aus Schumanns Heine-Zyklus. Ein metallisches Organ, dem es an Fülle zu fehlen scheint, auch an Textverständlichkeit. Er singt starrer als das Klavier, das sich wesentlich mehr im Rhythmus wiegt. Das ist sicher nicht schlecht, aber es fehlt viel. Wie wird Prégardien den Vortrag aufnehmen? Er spricht zunächst darüber, ob der Sänger besser auf dem Teppich steht oder nebendran. Dann geht“s los: „Du brauchst am Anfang: mehr Klang, mehr Legato. Man lässt sich von der Musik verleiten, zu leicht zu singen. Du musst mehr singen, nicht nur Text transportieren!“ Wie verwandelt ist nun der Beginn: Klangfülle und Strahlkraft leuchten, auch der Text ist viel besser verständlich. Es geht noch besser: „Kannst du noch mehr die Triolen aussingen?“ Philip Farmand kann, und schon hat das Lied wesentlich mehr Schwung.

Prégardien weiß nicht nur, was einem Vortrag fehlt, er weiß auch genau, was dagegen zu tun ist. Und er kann es so präzis und fördernd formulieren, dass man ihn gleich versteht und seine Kritik nicht als niederdrückend empfindet. Und dann geht er nach hinten, stellt sich dem Sänger gegenüber und zieht ihn gleichsam zu größerer Intensität. Es ist bemerkenswert, wie viel ein solches aufmerksames Gegenüber zu bewirken vermag. Und so geht es im nächsten Schumann-Lied, der „Stille“ darum, dass der recht „burschikose“ Vortrag Farmands zwar glänzend wirkt, wenn das Lied als Einzelstück gesungen wird, dass er aber im Zusammenhang des Eichendorff-Zyklusses doch wohl etwas eindimensional sei.

Einleuchtend untersucht Prégardien dann, wie schnell wohl der Sechs-Achtel-Takt im „leuchtenden Sommermorgen“ zu nehmen sei, wie wichtig der vom Komponisten vorgeschriebene Tempowechsel für die Wirkung ist, empfiehlt dem jungen Sänger „ein bisschen mehr Freiheit in Artikulation und Tempo“.

Dann ist Mittagspause. Man könnte den vorbeigehenden Meister anhalten und fragen, was ihm beim Unterrichten besonders wichtig sei. Aber er hat es bereits deutlich genug gesagt: die Interpretation aus der achtsamen Untersuchung des Zusammenspiels von Liedtext und Vertonung jedesmal neu zu erarbeiten. Stören wir ihn also nicht in der ohnehin knapp bemessenen Pause…

 

Die Rheinpfalz 28.7.2010

 

Zur Sache: Dan T. Fahlbusch zeigt Objekte und Collagen

Von Roland Happersberger

Noch bis zum Ende des – für jeden zugänglichen – Meisterkurses zum Kirchheimer Liedersommer am kommenden Samstag um 17 Uhr ist die begleitende Ausstellung in der Kirchheimer Grundschule zu sehen: Dan T. Fahlbusch, Cellist und bildender Künstler aus Heppenheim, zeigt Objekte und Collagen.

Schon von weitem ziehen zwei Objekte auf dem Schulvorplatz die Blicke an. Da steht ein hohes Regal voller Bücher und Akten, ein Sessel aus Rohrgeflecht daneben, aber alles blau gefärbt. Das Gebilde hat eine bemerkenswerte Anziehungskraft, und es verdeutlicht ein wesentliches Anliegen, das der Künstler äußerte: Vorfindliche Gegenstände will er verfremden, in neue Zeusammenhänge rücken, um so das Spiel der Gedanken und Assoziationen zu entfesseln. Manchmal gibt der Titel eine Richtung, manchmal nicht. „Blaue Bibliothek“ bleibt eher hermetisch.

Vor derselben erhebt sich ein grauer Blechwürfel, bedeckt mit einer Metallplatte, die in Ockertönen gefärbt, vielleicht auch gerostet ist. Schrundig ist sie und von einem Riss durchzogen. „Tabula“ lautet der Titel lapidar, und Fahlbusch verweist darauf, dass das Wort im Lateinischen wie im Deutschen doppeldeutig ist. Die „Tafel“ hängt an der Wand. Sie steht aber auch als Tisch. Oder als Altar, wie Fahlbusch betont. Ach ja: Gekrönt ist das Objekt von einer obenauf liegenden goldenen Kugel.

Innen Vielfältiges: große Wandobjekte, zierliches Stehendes, alles im Grunde höchst angenehm anzusehen. Viel Metall. Manches lebt aus dem Gegensatz, aus abgenutztem, korrodierten Material und exakten, poliert glänzenden Formen. Da ist zum Beispiel die „Urma“. Das bedeutet, schlüsselt Fahlbusch auf, „Urmutter“. Und sofort verwandelt sich das Bild vor Augen: Was eben noch wie ein Messing-glänzender Schildbuckel aus Mittelalterszene-Zusammenhängen aussah, ist jetzt die eine und einzige, alles beherrschende, goldene Mutterbrust.

Bei der Vernissage erzählt Fahlbusch von einer Begegnung mit drei fahrradfahrenden Jugendlichen, als er die Blaue Bibliothek aufstellte. „Was soll das, was bringt das?“ Fahlbuschs Gegenfrage: „Was bringt das Fahrradfahren?“ Die überraschende Antwort: Er würde dadurch etwas lernen. Fahlbusch entgegnete: Wenn er die blaue Bibliothek lange anblicke, werde er ebenfalls etwas lernen. Das zog offenbar: „Und aus Skepsis wurde Interesse und die Bereitschaft, sich zu öffnen.“ Nicht das Schlechteste.

Dieses genaue, andauernde Anschauen von Dingen sei ihm als Künstler wichtig, sagte er, fernerhin das Assoziieren dabei. Er wolle eine Verwandlung bewirken, die durch Versetzung der Dinge in einen anderen Zusammenhang geschieht – hier gab“s einen Verweis auf Joseph Beuys. Dieser Prozess lasse dann gedanklich Dinge, Elemente aufscheinen, die dem Kunstobjekt noch fehlen. Sie werden dann hergestellt. Und schließlich komme es darauf an, nach allem Durchwinden, Verbiegen und Konstruieren des Materials wieder zur Einfachheit zurückzukehren.

Zweifellos gibt es für fantasievolle Betrachter in Dan T. Fahlbuschs Objektwelten manches zu entdecken.

 

Die Rheinpfalz  5.8.2010

 

Studenten begeistern

Schubert- und Schumann-Werke dominieren bei Liedersommer-Abschluss
Von Roland Happersberger

Gut besucht war Kirchheims protestantische Kirche, als es darum ging, die Ernte des Kirchheimer Liedersommers einzufahren – also zu hören, was Professor Christoph Prégardien in seinen Studenten an Gestaltungsfähigkeit erweckte hatte. Eine Woche wurde hierfür gearbeitet, und das Resultat erwies sich als höchst beachtlich: Jeder Vortrag wusste zu gefallen, einige der jungen Künstler erreichten mehr – sie begeisterten.

Dabei war in den meisten Fällen – das berichteten Liedfreunde, die mehrfach unter der Woche dem öffentlichen Unterricht beigewohnt hatten, übereinstimmend – ein weiter Weg zurückzulegen. Auch die beiden jungen Künstler, die wir in der RHEINPFALZ vom vergangenen Samstag beobachtet hatten, machten einen beträchtlichen Satz nach vorn. Acht Liedpaare – fünf Sopranistinnen, drei Tenöre und ihre Partner am Klavier – stellten sich vor. Die Klavierbegleiter spielten allesamt sensibel, lebhaft, ausdrucksvoll, manchmal mehr, manchmal weniger. Lieder von Schubert und vor allem Schumann dominierten.

Strahlend klar, kraftvoll, engagiert und energisch zugreifend, geradezu sieghaft begann Ludmila de Carvalho (mit Felipe Balieiro am Flügel) mit Schuberts hochberühmter „Forelle“. So mitreißend ihre Interpretation war – die Trübungen des Mollteils vermochte sich nicht recht auszuloten, ihre Stärken liegen wohl eher bei dramatischen Opernpartien.

Keinen Ton verpassen mochte man, als Volker Nietzke (mit Nicolas Bajorat) zu singen begann. Zunächst vier Lenau-Lieder Schumanns. Keine große Stimme, aber ein warmes, angenehmes Timbre. Er lässt sich ein auf den Stimmungsgehalt der Musik. Schlicht und innig ist sein Gesang, und dann, in der „Sennin“, herrlich wuchtig. Das Unheimliche „Auf dem Kirchhofe“ (Brahms) gestaltet er ebenso klar wie großartig.

Felicitas Erb (mit Andreas Meier-Oulevey) wagt sich an Goethes „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn?“ und an Eichendorffs „Er ist“s“. Sie schmiegt sich – gleich einer „schönen Seele“ der Goethezeit – so eng, so hingebungsvoll, so innig an den Text und Schumanns Musik, lässt ihre Stimme dabei leuchten, singt die „Zigeunerliedchen“ rhythmisch so fein pointiert, dass das nur beeindrucken kann. Für Schuberts „Nachtviolen“ allerdings sind ihre Ausdrucksgebärden zu groß.

Vier kurze Schubert-Lieder nach Heines Dichterliebe brachte Tobias Wicky mit Cyrill Heri am Klavier. Hier beeindruckte die geradezu erschreckende Wucht, mit der er „Die alten bösen Lieder“ vortrug.

Lieder von Clara und Robert Schumann sang Monika Klamm, von Robert Selinger (einem Sohn der Region) elegant begleitet, mit farbigem Timbre und schönem, manchmal hochdramatischem Ausdruck.

Lieder, die mehr in die Gegenwart vorrücken, hatte als einzige Marie Heeschen (mit Adam Szvoren) ausgewählt: „Nachtzauber“ nach einem Eichendorffgedicht von Hugo Wolf und drei Lieder der Ophelia von Richard Strauss. Sie sind zweifellos um einiges schwieriger zu singen, und sie war diesen technischen Anforderungen fraglos gewachsen. Ihre glockenklare, ungemein bewegliche Stimme passte hervorragend zum etwas kalten Charakter der Musik.

Tenor Philip Farmand bekam unter der Woche von Christoph Prégardien empfohlen, in Tempogestaltung und Ausdruck einen freieren Vortrag zu zeigen. Das reizte Framand in den Schumannliedern aus. „In der Fremde“: ein dichtes gegenseitige Umwiegen von Klavier (hier begleitete die Kirchheimer Pianistin und Liedersommerchefin Barbara Baun) und Sänger. Farmand singt prachtvolle Crescendi, er gestaltet nicht verinnerlicht, sondern aggressiv-extrovertiert, mit leuchtend-strahlender Gebärde. Es passt. „Mit Myrten und Rosen“: Ein herrliches Fließen, strahlender Klang, begeisterter Applaus.

Auch für Julia Kirchner und ihre überaus kompetent aufspielende Klavierpartnerin Nao Aiba. Atemberaubend mitreißend, geradezu gewaltig singt sie zum Schluss Schuberts „Erlkönig“-Vertonung. Großartig, wie sie Vater, Sohn und Erlkönig mit unterschiedlichen Stimmtimbres charakterisiert, wie sie im Einklang mit ihrer Pianistin den Spannungsbogen bis zum Schluss hält. Man muss diese Ballade sicher nicht so hoch theatralisch singen – aber wenn man diesen expressiven Ansatz wählt, ist es kaum besser zu machen.

 

Die Rheinpfalz 5.8.2010

 

Einwurf

Ein Gewinn für alle
Von Roland Happersberger

Eigentlich ist ein Meisterkurs in einem so wenig publikumsträchtigen Genre wie dem Liedgesang eine Sache, die nur die Beteiligten betrifft. Der Kirchheimer Liedersommer macht daraus eine große Freude für gar nicht so wenige Musikfreunde aus der Umgebung. Am Anfang ein Spitzenkonzert mit Christoph Prégardien, einem der besten Liedsänger der Gegenwart, dann der öffentliche Meisterkurs, schließlich das Konzert der Absolventen, in dem nicht wenige sitzen, die die Woche über erlebt haben, mit welcher Sensibilität, Umsicht, Höflichkeit und Klarheit Prégardien die jungen Musiker nach vorn gebracht hat.

Die Kurs-Zuhörer werden gar nicht müde, diese Vorzüge zu preisen, sprechen von einer nicht nur musikalischen, sondern auch menschlichen Reifung, die sie miterlebten. Ein Gewinn also für alle – begleitet von günstigen Umständen, etwa dem, dass zu beiden Konzerten ungefähr so viele Zuhörer kamen, wie die Kirche fasst. Nicht vergessen werden sollte die Arbeit von Barbara Baun und ihren Helfern. Sie hat sich gelohnt.


Termine 2016



Sonntag, 24.07.2016
18.00 Uhr Eröffnungskonzert (Evangelische Kirche)
Sibylla Rubens, Sopran
Barbara Baun, Klavier
Eintritt frei, um Spenden wird gebeten
Anschließend Vernissage (Grundschule)

Donnerstag, 28.07.2016
19.30 Uhr Werkstattkonzert Lied (Weingut Kolb)
"Lieder? ...mit Vergnügen!"
Eintritt frei, um Spenden wird gebeten

Samstag, 30.07.2016
18.00 Uhr Abschlusskonzert (Evangelische Kirche)
"Mit Staunen und Vergnügen"
Teilnehmer des Meisterkurses
Eintritt frei, um Spenden wird gebeten
Anschließend Finissage (Grundschule)

Montag, 25.07. bis Freitag, 29.07.2014
10.00 – 13.00 Uhr
15.00 – 18.00 Uhr öffentlicher Meisterkurs (Grundschule)

Montag, 25.07. bis Freitag, 29.07.2014
10.00 – 13.00 Uhr
15.00 – 18.00 Uhr Ausstellung (Grundschule)

AKTUELL: Anmeldeschluss verlängert: 10.6.2016

Kontakt

Kontakt:

Kirchheimer Liedersommer e. V.
Bissersheimer Str.6
67281 Kirchheim Wstr.
Tel.: 06359/2090536
info(at)kirchheimer-liedersommer.de