Die Rheinpfalz vom 13.7.2012

 Des Meisters Vorgaben hörbar erfüllt

Von Roland Würtz

Das Konzert der Teilnehmer des Meisterkurses bildet einen wunderbaren Abschluss des Kirchheimer Liedersommers
Die Erwartungen waren hoch – nicht zuletzt nach dem Besuch beim Meisterkurs: Zum Abschluss des Kirchheimer Liedersommers gaben die Kursteilnehmer am Mittwochabend ein Konzert in der protestantischen Kirche. Es war ein wunderbarer Ausklang, bei dem die Erwartungen voll erfüllt wurden.

Hartmut Höll, Professor an der Staatlichen Musikhochschule Karlsruhe, stellte fünf sängerische Absolventen des Kurses und fünf Pianisten vor, darunter jeweils nur ein Mann. Diese hatten denn auch das letzte Wort und mit fünf Liedern den gewichtigsten Programmanteil, durchaus zu Recht, ohne aber die wunderbaren Leistungen der jungen Damen zu schmälern. Alle Sängerinnen und Sänger sind im letzten Stadium einer langen Ausbildung, alle Teilnehmer am Klavier weit mehr als nur Begleiter, eher gleichberechtigte Partner. Die Initiatorin Barbara Baun dankte Höll, den aktiven Teilnehmern und dem stets zahlreichen Publikum.

Hartmut Hölls Insistieren auf Textverständlichkeit war hörbar erfolgreich. Zur durchweg guten Wortverständlichkeit kam aber auch das tiefe Verständnis der Gedichte. Phrasierungskunst, dynamisch subtile Gestaltung, Färben der Stimme, auch des Klavierklangs spiegelten und verstärkten den Ausdruck der unterschiedlichen Werke.

Mit Liedern von Franz Schubert, Johannes Brahms und Hugo Wolf wurde das 19. Jahrhundert als Zeit der Hochblüte des Kunstliedes und damit der musikalischen Romantik repräsentiert. Wunderbar war der künstlerische Ernst des Musizierens, war die Verantwortlichkeit gegenüber der Musik und jedem einzelnen kleinen Gesamtkunstwerk.

Auch das ist ein Ergebnis der Arbeit von Hartmut Höll. Nicht der geringste Gedanke an primadonnenhafte Selbstdarstellung kam auf. Diese Meisterkurse haben sich zu einer gewichtigen Institution entwickelt, der auch Hartmut Höll in seiner kurzen Ansprache eine erfolgreiche Weiterentwicklung wünschte.

 

Die Rheinpfalz vom 11.7.2012

Zur Sache: Ein Besuch beim Meisterkurs in der Kirchheimer Grundschule

Von Roland Würtz
Ein Samstagmorgen in Kirchheims Jugendstilschule. Vorbei an den sympathischen Gemälden von Vincent Rousseau (Paris) im Foyer zum hellen Ecksaal mit seinen sechs hohen Fenstern und bester Akustik. Etwa zehn interessierte Musikfreunde lauschen – bei freiem Eintritt – der Arbeit von Hartmut Höll, dem Professor an der Staatlichen Hochschule für Musik in Karlsruhe, der nach Salzburg, Edinburgh, München, Tokio nun nach Kirchheim gekommen ist, um einen Meisterkurs zu leiten.

Höll steht, besser bewegt sich mit der Musik hinter dem Pianisten, gelegentlich einen kurzen Blick in dessen Noten werfend. Vor ihm die junge Sängerin Ewa Leszczyniska aus Polen mit Franz Schuberts Werken auf dem Pult.

Der Pianist Höll übernimmt von seinen Studenten gelegentlich selbst den Platz am Klavier und zeigt Anschlagsnuancen, lässt den jungen Pianisten hinter sich treten, ihn an seiner Flanke die Muskelanspannung spüren und verdeutlicht so, woher die Intensität des Ausdrucks kommt. Der ganze Körper spielt, nicht nur von den Fingerspitzen bis zum Arm. Nach vielen Einzelheiten abschließend das ganze Schubertlied, quasi ein Konzertauftritt. Klingt gut. Doch der Meister ist noch nicht zufrieden und weiß noch längere Spannungsbögen und sprachliche Differenzierungen aus der Stimme der sympathischen Sängerin zu holen.

Wechsel. Ein junger Tenor, Michael Mogl aus Bayern, der in Zürich studiert, tritt vor den Flügel. Er ist ebenso weit fortgeschritten in seiner Kunst wie seine Vorgängerin. Wieder Franz Schubert, „Frühlingsglaube“. Die Tempoangabe des Komponisten – „Ziemlich langsam“ – wird diskutiert. Höll versteht sie schneller als langsam, also fließender, und schon spüren wir den Frühlingsduft, „die linden Lüfte“, in der Nase. „Trainingstipps“ nennt Höll das.

Wer hierher kommt, kann singen. Er geht immer vom Text aus, hinterfragt ihn und meint, alles stünde im Gedicht. Schuberts „Allerseelen“ („Ruhn in Frieden“) wird aufgeschlagen – und Höll wirft ein: Nicht Ruhe sei das Sinnwort, sondern die beiden Interpreten sollten bis zum Satzende denken, das hieße auch, eine Spur schneller musizieren. Natürlich wendet der berühmte Liedbegleiter sich immer wieder dem Pianisten zu, lässt den Sänger nur zuhören. Doch diesem gehen oft ganz neue Perspektiven des „Gesamtkunstwerkes“ Lied auf. Michael Mogl singt ein wunderschönes Legato, große Bögen, ein klangvolles Pianissimo, allerdings oft unter Vernachlässigung der Konsonanten und damit der Textverständlichkeit.

Der Meister hat noch so viel allein zum Klaviervorspiel zu sagen. Es ist nicht leicht, dies der jungen, hochbegabten koreanischen Pianistin Jiwon Lee verständlich zu machen. Dabei entsteht die Diskussion über die Frage, Hammerflügel imitieren, also vertikale Klänge, oder modernen Flügel bejahen mit seiner Möglichkeit der horizontalen Klanggestaltung? Für Höll hat Schubert moderner komponiert als es die Instrumente seiner Zeit erlaubten. Der Hörer fragt sich unwillkürlich, ob es nicht zu einer Einheit, einer Mischung kommen kann und wird so selbst zum aktiven, mentalen Interpreten.

Hartmut Höll macht deutlich, dass es sich nicht um Primadonna und Begleiter handelt, sondern um gleichgroße Aufgaben für beide, um musikalische Partnerschaft. Insgesamt ein so reicher musikalischer Vormittag, wie auch ein Konzert nicht reicher sein kann.

 

Die Rheinpfalz vom 11.7.2012

Grandiose Virtuosität und magische Atmosphäre

Von Gerd Kowa

Bariton Roman Trekel und Pianist Hartmut Höll bieten beim Kirchheimer Liedersommer ein mitreißendes Konzert – Höll mitunter teuflisch schnell

„Dein ist mein Herz und soll es ewig bleiben“ ist ein Vers aus dem Lied „Ungeduld“ des Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ von Franz Schubert. Ist das nicht ein nobles Angebot an eine Geliebte oder einen Geliebten? Beim „Kirchheimer Liedersommer“ präsentierten der Bariton Roman Trekel und der Pianist Hartmut Höll den Zyklus in der evangelischen Kirche. Diese beiden international bewunderten Künstler musizierten mitreißend.

Dieser grandiose Liederabend sollte jedenfalls lange in Erinnerung bleiben. Im Herbst 1823 vertonte Schubert Wanderer-Gedichte des Romantikers Wilhelm Müller und machte daraus eine traurige Geschichte. Ein armer Jüngling wandert einsam durch grüne Lande und verliebt sich in eine schöne Müllerin. Er verliert sie, stürzt sich vor lauter Schmerz in ein Bächlein und singt ein himmlisch schönes Wiegenlied, das man niemals vergessen wird. Schubert war es natürlich nicht. Er starb nämlich erst 1828 an seiner venerischen Krankheit und nicht an einer flüchtigen Jungfrau.

Als Schubert 1823 den Müller-Zyklus komponierte, hatte er die biedermeierliche Wanderer-Mode schon längst harmonisch und dynamisch überholt. Das war die Faszination des Werkes und – frei nach dem 1904 verstorbenen Eduard Hanslick – „sonst gar nichts“. So billig hätte man Schubert nicht beurteilen sollen. Schubert hatte ganz gewiss ähnliche Gefühle wie sein lyrisches „Ich am Bächlein vor der Mühle“.

Hartmut Höll und Roman Trekel musizierten auf der Schwelle zwischen grandioser Virtuosität und magischen Atmosphären, Seelenstürmen und leisen Tönen aus den Tiefen trostloser Gefühlen, Accelerando und Ritardando. In Liedern wie „Das Wandern“, „Ungeduld“, „Der Jäger“, „Eifersucht und Stolz“ oder „Die böse Farbe“ spielte Höll mitunter teuflisch schnell und so laut, dass sich sein Partner Trekel in der Flügelbucht anstrengen musste. Hölls Hammer-Anschläge und Trekels beseelte Töne verzauberten alle Herzen und Ohren. Es war übrigens auffällig, dass die beiden Künstler zwischen den dramatischen, trostlosen Liedern keine Pausen machten. Ungeduld? Ach woher. Schlimme Träume und bittere Tränen können sich bei verzweifelten Liebhabern schon mal schnell überschlagen. Gequälte Menschen dieser sensiblen Kategorie können locker in einem gefährlichen Delirium untergehen.

Hölls und Trekels Interpretation war einfach glaubwürdig, innig, spannend. Diese Künstler kennen weder Schmus noch Kitsch. Roman Trekel gastiert regelmäßig in großen Opernhäusern der Welt. Bekannt ist er als Beckmesser und Amfortas in Wagners Opern „Die Meistersinger von Nürnberg“ und „Parsifal“. Hartmut Höll gibt seit 1973 mit der Sängerin Mitsuko Shirai Liederabende in der ganzen Welt. Höll ist auch ein Begleiter der weltweit bewunderten Bratschistin Tabea Zimmermann. Der Großmeister des Begleitens ist Professor an der Hochschule für Musik Karlsruhe.

 

Die Rheinpfalz vom 7.7.2012

Künstlerseelen wandern durch die große Musikwelt

Von Gerd Kowa

Annelie Sophie Müller und Barbara Baun begeistern beim Kirchheimer Liedersommer – Gefühlvolle Interpretationen romantischer Kompositionen
In der evangelischen Kirche eröffnete am Donnerstagabend ein Konzert mit Gesängen romantischer Komponisten den Kirchheimer Liedersommer und damit auch einen Meisterkurs für Liedgestaltung. Die Mezzosopranistin AnnelieSophieMüller und die Pianistin BarbaraBaun widmeten sich Liedern nach Texten von Mörike von Hugo Wolf, dem Liederkreis op. 39 von Robert Schumann nach Gedichten von Eichendorff und drei Gesängen von Brahms nach Texten von Eichendorff, Daumer und Wentzig.

Es war ein feiner Abend und eine Gelegenheit, über Romantiker der 30er, 40er oder 50er Jahre des 19. Jahrhunderts nachzudenken. Warum diese Künstler so gern in den Nächten durch die Wälder wanderten, dabei schöne Lieder über die Hexe Lorelei und über mittelalterliche Ritterburgen sangen und letztendlich im Traum in den Himmel flogen, ist doch etwas rätselhaft, aber schön. Hatten die Träumer etwa Angst vor den dampfenden Lokomotiven?

Der Dichter und Naturphilosoph Ludwig Tieck hatte andere Meinungen: „Was in den Himmelkreisen sich bewegt, das muss auch bildlich auf der Erde walten“, schrieb er in einem seiner Texte über Liebe, Sehnsucht, „Waldeinsamkeit“ und „Mondbeglänzende Zaubernächte“. Tieck war überzeugt, dass die Töne der Natur „durch alle Kreaturen klingen“.

Durch alle? Und heute auch noch? Wenn die Flugzeuge über die Wälder donnern oder ganz oben über die Wingert brummen? Tiefgründige Gedanken und Gefühle haben nur noch Künstler wie die Sängerin Müller und die Pianistin Baun.

AnnelieSophieMüller spürt und weiß genau, dass Eichendorffs Texte klingen und das Seelenleben sensibler Menschen umkreisen. Das weltberühmte Schumann-Lied „Mondnacht“ sang die Sängerin so innig und so gescheit, dass Herz, Hirn und Himmel über Kirchheim zitterten: „Es war, als hätt‘ der Himmel die Erde still geküsst“. Müllers großer Dynamik- und Frequenzbereich begeistert alle Ohren. Aber nicht nur das. Sie ist auch eine großartige Metamorphosen-Meisterin. In Liedern wie „Intermezzo“, „Waldesgespräch“ oder „In der Fremde“ wandelte sie sich in fröhliche, ängstliche oder sogar argwöhnische lyrische Ichs.

An diesem Abend bewunderte man nicht nur die Sängerin, sondern auch die Pianistin. Die Ära der braven Harmonie-Lieferanten war in der Romantik längst vorbei. BarbaraBaun passte sich an die Gesänge sehr einfühlsam und geschmeidig an. Wieder einmal entdeckte man, dass manche Klavierparts Schumanns, Brahms‘ und Wolfs fast Charakterstücke sind, die mitunter ein poetisches Eigenleben führen und die Sänger damit stark inspirieren. Sehr auffällig und mitreißend war das unter anderem auch bei den Gesängen „Parole“ und „Unbewegte laue Luft“ von Brahms sowie Liedern wie „Begegnung“ und „Anakreons Grab“ des Spätromantikers Wolf. Schön war der Abend: Zwei Künstlerseelen wanderten gemeinsam durch die große Welt der Musik. AnnelieSophieMüller hat 2010 den ersten Preis des internationalen Wettbewerbs für Liedkunst der Hugo-Wolf-Akademie Stuttgart gewonnen, ebenso wie BarbaraBaun. Die Dozentin an der Mannheimer Musikhochschule hat Liedgestaltung bei Hartmut Höll studiert, der noch bis zum 11. Juli in Kirchheim einen Meisterkurs leitet.

 

Die Rheinpfalz vom 7.7.2012

Zur Sache: Kunst für Menschen ohne Menschen
Von Nicole Hess

Parallel zum Meisterkurs zeigt der Kirchheimer Liedersommer in der Grundschule „An der Pforte? eine Ausstellung des französischen Malers VincentRousseau mit Impressionen aus Paris und Teneriffa. Es ist die zweite Präsentation seiner Werke in Kirchheim nach 2007. Und so lange hatte er auch nicht mehr gemalt, sondern sich einer anderen Profession gewidmet: Rousseau ist selbst Musiker und spielt Kontrabass in einem Sinfonieorchester.

Die Bilder widmen sich zwei Themen und Orten, die eine wichtige Rolle spielen in Rousseaus Leben: Paris, wo der aus Dijon stammende Musiker und Maler lebt, und Teneriffa, die Insel, von der seine Freundin kommt. Zwei sehr gegensätzliche Orte sind das. „Paris bedeutet Stress, Teneriffa bedeutet Entspannung“, sagt er. „Ich kann nicht ohne Paris leben. Aber ich kann auch nicht ohne die Idee leben, oft auf Teneriffa zu sein.? Beide Aspekte vereint er in der Kirchheimer Ausstellung, indem er die Gemälde in einem wilden Mix neben- und übereinander gehängt hat. Zwischen den Ölgemälden, von denen eines auch eine Ansicht von Barcelona zeigt, haben noch einige schnell mit Wasserfarben entstandene Aquarelle Platz gefunden.

Menschen kommen kaum vor in Rousseaus Kunst. Er zeigt Bänke, auf denen niemand sitzt, Strände, an denen keiner entlang spaziert, nur einmal ist schemenhaft eine Gestalt zu erkennen, ein kleiner Mann vermutlich, von hinten, mit einem Hut auf dem Kopf. Im Wind flatternde Fahnen und ein leerer Stuhl sind Zeugen menschlichen Daseins. Aber konzentriert hat sich der Maler auf Landschaften, Orte, Natur, vor allem und immer wieder Palmen, die bei ihm ein starkes Symbol für Sommer und Sonne sind.

Auch bei den Abbildungen der Orte und Landschaften ist Rousseau nie zu konkret geworden. Man kann zwar einmal die Kathedrale Notre Dame erkennen, die für Paris so typischen schwarzen Straßenlaternen oder ganz zart im Hintergrund eines Bildes den Vulkan Teide, das Wahrzeichen Teneriffas. Aber oft sind die Ansichten schwer zu verorten. Auf eine interessante Weise sind die Bilder wie Fotografien und trotzdem nicht zu realistisch. Dank der mäandernden Formen wirken manche der Arbeiten mitunter fast ein wenig psychedelisch.

Um der Gefahr zu begegnen, dass seine Städte und Landschaften zu Postkartenmotiven werden, hat VincentRousseau sich kräftiger Farben bedient, wie sie in der Natur nicht vorkommen und schon gar nicht zusammen: Pink, Beige, Dunkelgrün und Blau beispielsweise. Ein Triptychon aus zwei quadratischen Bildern und einem von ihnen eingerahmten großformatigen dritten zeigt eine Ansicht des Jardin du Luxembourg, wie man sie nicht sehen, aber vielleicht träumen kann, nach einem schönen Tag in Paris. (heß)

 

Die Rheinpfalz vom 3.7.2012

„Das Lied bietet einen große Vielfalt“
Interview: AnnelieSophieMüller gilt als Shootingstar der jungen Musikszene. Erst mit 19 Jahren hat sie ihre Leidenschaft fürs Singen entdeckt. Seitdem sammelt sie einen Preis nach dem anderen. Am Donnerstag ist die Mezzosopranistin zum Auftakt des Kirchheimer Liedersommers in der evangelischen Kirche zu hören. Dort tritt sie gemeinsam mit Pianistin BarbaraBaun auf. Vorab hat sich Sebastian Stollhof mit Müller unterhalten.

Die Rheinpfalz: Frau Müller, es heißt, Sie schwärmen von dem gestalterischen Freiraum, den Ihnen das Lied bietet. Was verstehen Sie genau darunter?

Müller: Ich bin fasziniert von der Intensität dieser Kunstform. Das Lied bietet mir nicht nur eine überaus große Vielfalt an Farben und Gestaltungsmöglichkeiten, es verlangt diese geradezu. Die Stimmung eines Liedes zu formen bedeutet, dass ich den Text und die Musik genau verstehe. Ich muss mich als Interpretin selbst fragen, wie ich zu diesem Lied stehe, wie es der Komponist und der Dichter gemeint haben könnten. Vielleicht interpretiere ich es in der folgenden Woche ganz anders, weil sich meine Sichtweise geändert hat. Diese andere Sicht kann ich dann durch die leicht geänderten Farben wie in einem Bild zeigen.

RhPf: Auf der Bühne sind Sie nicht nur bei der Komischen Oper in Berlin, sondern auch regelmäßig als Sängerin bei Konzerten zu sehen. Was macht Ihnen mehr Freude?

Müller: Ich liebe die Oper, diese Kombination aus Schauspiel und Gesang, für ihre darstellerischen Möglichkeiten. Dort schlüpfe ich in eine Figur mit Körper und Stimme und stelle sie mit ihren Emotionen dar. Die Oper gibt mir die Freiheit, die ganz spezielle Psyche der Figur zu erforschen. Und die Gruppendynamik hat ein großes Gewicht. Das Lied dagegen ermöglicht mir einen großen gestalterischen Freiraum. Und im Liederabend erlebe ich die Reaktionen meiner Zuhörer sofort und unmittelbar. Vor zwei Monaten sang ich beim Heidelberger Frühling. Nach meinem Liederabend kam eine Zuhörerin auf mich zu und sagte mir, ich hätte sie zutiefst berührt mit meiner Interpretation. Sie hätte sich alles so bildhaft vorstellen können. Diese Art Austausch ist nirgendwo anders so intensiv wie im Liedgesang.

RhPf: Sie haben erst mit 19 angefangen Gesangsunterricht zu nehmen, spielten bis dato Geige und Klavier. Wie kam es zu dem eigentlich späten Entschluss, Sängerin zu werden?

Müller: Ich wollte mit drei Jahren schon Opernsängerin werden, begann dann aber zunächst mit sechs Jahren Geige zu lernen. Später kam Ballettunterricht, Percussion-, Klavier- und Schauspielunterricht dazu. Meine ersten Bühnenerfahrungen machte ich also bereits in jungen Jahren. Diese regelmäßigen Auftritte bestärkten mich, meinen frühen Berufswunsch zu verwirklichen. Mit 19 entschloss ich mich dazu, professionellen Gesangsunterricht zu nehmen.

RhPf: Nun gelten Sie dank Ihres nuancenreichen, warmen Mezzosoprans als Shootingstar der jungen Musikszene, haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Preise gewonnen und wurden schon während Ihres Studiums auf die Opernbühne geholt. Müssen Sie sich manchmal nicht selbst kneifen?

Müller: (Lächelt) Ich hatte für mein weiterführendes Studium 2010 einen Studienplatz in London an der „Guildhall School of Music and Drama“ und für dieses Auslandsstudium ein Baden-Württemberg-Stipendium bekommen. Aber als die Anfrage der Komischen Oper Berlin kam, habe mich gleich für die Bühne entschieden. Als quasi krönenden Abschluss meiner Studienzeit habe ich den 1. Preis des Hugo-Wolf-Wettbewerbs gewonnen. Diese fantastische Jury mit Größen wie Brigitte Fassbaender, Robert Holl oder Graham Johnson war von meiner Art Lied zu interpretieren angetan. Das hat mich sehr gefreut und mich auch bestärkt, mich intensiver mit dem Lied zu beschäftigen. Durch den Wettbewerbsgewinn wurde ich zu vielen renommierten Musikfestivals wie dem Heidelberger Frühling eingeladen. Ich kann mich sehr glücklich schätzen, dass sich alles so wunderbar entwickelt hat.

RhPf: Der Erfolg hat sicherlich aber auch seine Kehrseite, wie Stress oder das ständige Unterwegssein. Auf was würden Sie gerne verzichten?

Müller: Auf die Sorge, nicht krank werden zu dürfen. Die Stimme ist sehr angreifbar, da muss man immer aufpassen. Wenn ich eine Erkältung habe, kann ich eventuell nicht singen.

RhPf: In Kirchheim nehmen ab Freitag junge Sänger am Meisterkurs für Liedgestaltung teil. Welche Tipps haben Sie für diese?

Müller: Ich bin selbst noch eine junge Sängerin, daher will ich nur sagen, wie ich an ein neues Lied herangehe: Ich verinnerliche mir die Sprache in textlicher wie auch in musikalischer Sicht. Erst, wenn ich eine Haltung zu einem Lied entwickelt habe, kann ich das Lied von mir aus angemessen präsentieren.

RhPf: Beim Liedersommer treten Sie beim Eröffnungskonzert mit der Kirchheimer Pianistin BarbaraBaun auf. Wie ist der Kontakt zu ihr entstanden?

Müller: Sie hat den Hugo-Wolf-Wettbewerb via Internet verfolgt und kam dann auf mich zu.

RhPf: Was dürfen die Besucher bei Ihrem Konzert in Kirchheim erwarten?

Müller: Wir haben ein schönes Programm, beginnend mit Liedern von Hugo Wolf, einem meiner Lieblingskomponisten. Dann kommt das Kernstück, der Liederkreis von Schumann nach Eichendorff. Zuletzt folgen Lieder von Johannes Brahms – mit einem persönlichen Favoriten als Schlussstück: „Von ewiger Liebe“. Wir freuen uns sehr auf dieses Konzert.

 

Die Rheinpfalz vom 29.6.2012

Trekel Gast bei Liedersommer

Hochkarätige Musiker erwarten die Gäste beim Kirchheimer Liedersommer. Dieser wird am Donnerstag, 5. Juli, um 19 Uhr von der Mezzosopranistin Annelie Sophie Müller und der Kirchheimer Pianistin Barbara Braun in der Evangelischen Kirche eröffnet. Müller, Mitglied der Komischen Oper Berlin, hat sich spätestens seit ihrem Gewinn des Hugo-Wolf-Preises und dem Auftritt beim Heidelberger Frühling auch in der Pfalz einen Namen gemacht. Das Eröffnungskonzert ist der Romantik mit Werken Wolf, Schumann und Brahms gewidmet. Anschließend wird im Foyer der Grundschule zur Vernissage der Ausstellung Vincent Rousseaus geladen. Am Sonntag, 8. Juli, findet um 18 Uhr ein Liederabend mit RomanTrekel, begleitet von HartmutHöll am Klavier, statt. Der Bariton, der mehrfach bei den Bayreuther Festspielen (unter anderem als Wolfram) auftrat, wird Franz Schuberts populären Liederzyklus „Die schöne Müllerin? gestalten. Beim Abschlusskonzert am Mittwoch, 11. Juli, um 19 Uhr präsentieren die Teilnehmer des Meisterkurses die Ergebnisse ihrer sechstägigen Arbeit. Vom 6. bis 11. Juli probt der Meisterkurs unter der Leitung von HartmutHöll und Sabine Fues, Dozentin an den Universitäten Mainz und Köln, öffentlich. (lauk)

 

Die Rheinpfalz vom 28.6.2012

Hartmut Höll zu Gast beim Liedersommer

Pianist ist Dozent beim Meisterkurs vom 5. bis 11. Juli in Kirchheim und konzertiert mit RomanTrekel in der evangelischen Kirche.
Drei Konzerte, ein sechstägiger Meisterkurs und dazu noch eine Ausstellung: Der Kirchheimer Liedersommer bietet vom 5. bis 11. Juli wieder ein umfangreiches Programm. Mit HartmutHöll ist es dem Organisationsteam um Barbara Baun zudem gelungen, einen der bekanntesten Pianisten an die Weinstraße zu holen.

HartmutHöll gibt seit 1973 Liederabende mit Mitsuko Shirai. Er legt großen Wert auf Klangsinn, Sensibilität und das Vermögen, „hinter den Tönen zu denken?, wie es der Pianist selbst beschreibt. Von 1982 bis 1992 war er Partner von Dietrich Fischer-Dieskau. Dabei war das Duo unter anderem bei den Salzburger Festspielen, den Festivals von Edinburgh, Florenz, München und Berlin sowie in der New Yorker Carnegie Hall zu hören. Der Professor an der Hochschule für Musik in Karlsruhe konzertierte außerdem mit der Bratschistin Tabea Zimmermann in ganz Europa, Israel, den USA und Kanada. Seit 2001 begleitet Höll Renée Fleming bei Konzerten in Europa, Australien, Asien und den USA.

In Kirchheim wird der Pianist nicht nur zusammen mit Sabine Fues aus Bayreuth Dozent beim Meisterkurs für Liedgestaltung in der Grundschule sein. Dort sollen junge Musiker zehn Lieder von Franz Schubert und Hugo Wolf für ihr Abschlusskonzert am Mittwoch, 11. Juli, 19 Uhr, in der evangelischen Kirche vorbereiten. Für den Meisterkurs sind besonders Liedduos angesprochen, die bereits fest zusammenarbeiten. HartmutHöll wird zudem auch als Pianist bei einem Konzert in der evangelischen Kirche zu erleben sein. Am Sonntag, 8. Juli, 18 Uhr, begleitet er den Bariton RomanTrekel bei Franz Schuberts populärstem Liederzyklus „Die schöne Müllerin?. Kammersänger Trekel war unter anderem schon mehrfach in führenden Rollen bei den Bayreuther Festspielen zu sehen und zu hören.
Den Auftakt des Liedersommers machen am Donnerstag, 5. Juli, 19 Uhr, die Kirchheimer Künstlerin und Pianistin Barbara Baun und die Mezzosopranistin Annelie Sophie Müller mit einem Eröffnungskonzert in der evangelischen Kirche. Auf dem Programm stehen Werke von Hugo Wolf, Robert Schumann und Johannes Brahms. Müller ist Mitglied der Komischen Oper Berlin und hat den ersten Preis beim Wettbewerb für Liedkunst der Hugo-Wolf-Akademie Stuttgart gewonnen.
Parallel zum Meisterkurs wird es zudem wieder eine Ausstellung im Foyer der Grundschule geben. Maler Vincent Rousseau aus Paris ist bereits zum zweiten Mal zu Gast beim Kirchheimer Liedersommer. 2007 waren von ihm „Dächer von Paris? und Aquarelle bretonischer Landschaften zu sehen. Diesmal wird der Maler „Pariser Themen? und „exotische Impressionen? zeigen.
Wie in den vergangenen Jahren sind die Meisterkurse für Zuhörer frei zugänglich. Der Eintritt zu den Konzerten ist ebenfalls frei, um Spenden wird gebeten. (wyw/ssl)


Termine 2016



Sonntag, 24.07.2016
18.00 Uhr Eröffnungskonzert (Evangelische Kirche)
Sibylla Rubens, Sopran
Barbara Baun, Klavier
Eintritt frei, um Spenden wird gebeten
Anschließend Vernissage (Grundschule)

Donnerstag, 28.07.2016
19.30 Uhr Werkstattkonzert Lied (Weingut Kolb)
"Lieder? ...mit Vergnügen!"
Eintritt frei, um Spenden wird gebeten

Samstag, 30.07.2016
18.00 Uhr Abschlusskonzert (Evangelische Kirche)
"Mit Staunen und Vergnügen"
Teilnehmer des Meisterkurses
Eintritt frei, um Spenden wird gebeten
Anschließend Finissage (Grundschule)

Montag, 25.07. bis Freitag, 29.07.2014
10.00 – 13.00 Uhr
15.00 – 18.00 Uhr öffentlicher Meisterkurs (Grundschule)

Montag, 25.07. bis Freitag, 29.07.2014
10.00 – 13.00 Uhr
15.00 – 18.00 Uhr Ausstellung (Grundschule)

AKTUELL: Anmeldeschluss verlängert: 10.6.2016

Kontakt

Kontakt:

Kirchheimer Liedersommer e. V.
Bissersheimer Str.6
67281 Kirchheim Wstr.
Tel.: 06359/2090536
info(at)kirchheimer-liedersommer.de